Metall- und Elektroindustrie: Kaum Spielraum für Investitionen

Pressemitteilung vom 19.05.2026

Erstellt am: 19.05.2026

Oliver Wirth: „Wir brauchen bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen, damit Deutschland wieder wettbewerbsfähig wird.“

Die Konjunkturumfrage, die die Bezirksgruppe Ulm von Südwestmetall unter ihren Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat, zeigt dass sich der Umsatz das zweite Jahr in Folge nur seitwärts entwickelt hat. Es ist ein geringes Wachstum von +0,5 % zu verzeichnen. Der Gesamtumsatz innerhalb der Vergleichsgruppe lag bei 15,098 Mrd. Euro. Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden am heutigen Dienstag in Ulm im Rahmen eines Pressegesprächs von Oliver Wirth, geschäftsführender Gesellschafter der Bareiss Prüfgerätebau GmbH in Oberdischingen und Vorsitzender der Bezirksgruppe Ulm sowie seinem Stellvertreter Stefan Halder, geschäftsführender Gesellschafter der Erwin Halder KG in Achstetten/Bronnen vorgestellt.

Während sich die Exportquote trotz globaler Unsicherheiten und steigender Handelshemmnisse auf
52,3 % erhöht
hat, ist der Inlandsanteil am Umsatz um 14,9 % gesunken. „Dies zeigt, die hohe Bürokratielast und steigende Sozialabgaben unserer Unternehmen in Deutschland haben deutlich negative Auswirkungen auf den Absatzmarkt im Inland“, sagte Oliver Wirth anlässlich der Pressekonferenz am heutigen Dienstag in Ulm. Bei vielen Kennzahlen zeigt sich ein geteiltes Bild. So zum Beispiel auch bei der Umsatzentwicklung. Während mehr als die Hälfte der Betriebe einen Umsatzrückgang von 2025 zu 2024 zu verzeichnen hatten, gibt es 49 % der Unternehmen, die ein Wachstum vermelden konnten. „Diese Teilung macht deutlich, dass die verschiedenen Bereiche der Metall- und Elektroindustrie aktuell vor unterschiedlichen Herausforderungen stehen“, so Oliver Wirth weiter. Hierbei ist anzumerken, dass die Ergebnisse unserer regionalen Konjunkturumfrage nicht repräsentativ für ganz Baden-Württemberg sind. In anderen Regionen ist die Lage noch angespannter.

Beim Blick auf die Ertragslage der Unternehmen wird deutlich, dass in 2025 über die Hälfte der Betriebe nur einen sehr geringen Ertrag vor Zinsen und Steuern von unter 4 % hatten. 16 % der Unternehmen waren im letzten Jahr in den roten Zahlen. „Damit haben die Firmen kaum Spielräume für Investitionen, die für einen Anschub der Konjunktur nötig wären“, bekräftigte Oliver Wirth. „Die notwendigen Strukturreformen dulden keinen weiteren Aufschub. Nur mit einer starken Wirtschaft können wir uns den Wohlstand in Deutschland sichern“, führte Oliver Wirth aus. Die Reform des Gesundheitswesens sei dringend notwendig, um die steigende Ausgabendynamik zu stoppen und die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um monatlich 300 Euro bedeute allerdings einen weiteren Kostenschub für die Betriebe.

Der geplante Anteil an Auslandsinvestitionen für dieses Jahr hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. „Hier sehen wir, dass sich die ungünstigen Standortfaktoren in Deutschland bereits auf die Investitionsentscheidungen der Unternehmen auswirken“, sagte Stefan Halder beim Pressegespräch. Als Hauptgrund für Investitionen im Ausland sind mit 36 % die hohen Arbeitskosten in Deutschland, gefolgt von den Themen Bürokratie und hohe Energiekosten genannt.

Zum Stichtag 01.04.2026 sind 55.341 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den regionalen Metall- und Elektrobetrieben beschäftigt. „Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage halten die Betriebe an der Stammbelegschaft fest“, sagte Stefan Halder. Gerade im Hinblick auf den Einzug von KI in die Unternehmen seien qualifizierte Fachkräfte von großer Bedeutung. Um auf die geopolitisch unsichere Lage reagieren zu können, wurde die Zahl der Zeitarbeitnehmer um 19 % erhöht und die Zahl befristet Beschäftigter im gleichen Zeitraum um 24 % verringert. Hinsichtlich der Beschäftigungsentwicklung für 2026 ergibt sich ein Arbeitsplatzabbau von 98 Stellen.

„Ausbildung ist und bleibt wichtig“, bekräftigte Stefan Halder. Aktuell sind in der Region Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach mehr als 2.700 Auszubildende gemeldet. Dies entspricht einer Ausbildungsquote von 4,9 %. Hinsichtlich der in diesem Jahr angebotenen Ausbildungsstellen ist zu verzeichnen, dass noch knapp ein Viertel unbesetzt ist.

„Trotz enormer Herausforderungen blicken die Unternehmerinnen und Unternehmer wieder etwas positiver in die Zukunft. Der Metall- und Elektro-Konjunkturindex, der ähnlich dem ifo-Konjunkturindex ist, ist das zweite Jahr in Folge wieder leicht steigend. Er wird von den Umsatzerwartungen der Unternehmen gebildet. Für 2026 erwarten 69 % steigende Umsätze. Der Anteil der Unternehmen, die mit einem Umsatzrückgang rechnen ist mit 19 % leicht rückläufig“, sagte Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall in Ulm.

Info zur Konjunkturumfrage:
An der Konjunkturumfrage haben sich 78 Betriebe beteiligt. Dies entspricht einem Repräsentationsgrad von 57 % der Betriebe der Bezirksgruppe Ulm und 77 % der Beschäftigten.

 

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Nicola Gebhart

Öffentlichkeitsarbeit

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