Metall- und Elektroindustrie: Zuversicht wächst – Beschleunigung des Impftempos unter Einbindung der Betriebe wichtig

Pressemitteilung vom 20.05.2021

Erstellt am: 20.05.2021

Peter Fieser: „Auch wenn viele die Talsohle durchschritten haben, wird es noch dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht ist.“

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In 2020 hatte die regionale Metall- und Elektroindustrie (kurz M+E) einen Umsatzrückgang von 9,2 % auf 11,607 Mrd. Euro zu verzeichnen, die Exportquote lag bei 53,7 %. Die Firmen haben trotz Unsicherheiten bedingt durch Corona, Transformation und Konjunkturrückgang erneut kräftig investiert, und zwar 435 Mio. Euro.

„2020 war für die regionalen M+E-Unternehmen eine große Herausforderung“, sagte Peter Fieser, Mitglied des Vorstandes der HENSOLDT AG und Vorsitzender der Südwestmetall Bezirksgruppe Ulm beim heutigen virtuellen Pressegespräch anlässlich der jährlichen Wirtschaftsumfrage, die die Bezirksgruppe unter den Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat. Der sinkende Umsatz in 2020 ging vorwiegend auf den rückläufigen Exportumsatz zurück. „Hier zeigt sich, welche Auswirkungen brüchige Lieferketten auf eine exportorientierte Wirtschaft haben“, führte Fieser aus.

Die Zahl der Beschäftigten in regionalen M+E-Betrieben verringerte sich nur gering um 0,78 % auf 57.601 Mitarbeiter/innen, wobei die Zahl der Stammbelegschaft sogar leicht gewachsen ist. Weiterhin auf hohem Niveau ist die Ausbildungsquote. Sie liegt aktuell bei 4,8 %. Auch wenn sich die Zahl der Ausbildungsstellen mit Ausbildungsbeginn 2021 verringert hat, so gibt es derzeit über 3.000 Auszubildende in der regionalen M+E-Industrie. „Dieser Wert zeigt einmal mehr das Engagement der Unternehmen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, sagte Stefan Halder, geschäftsführender Gesellschafter der Erwin Halder KG in Achstetten/Bronnen und stellvertretender Vorsitzender von Südwestmetall Ulm. Darüber hinaus ist die Zahl der aktuell unbesetzten Ausbildungsplätze mit 47 stark rückläufig. 2020 waren noch 93 Ausbildungsplätze unbesetzt. „Das ist schön, war es doch für beide Seiten im letzten Jahr nicht einfach, sich kennen zu lernen und zu orientieren“, so Halder.

Aktuell besteht unter den Betrieben wieder mehr Zuversicht über den Fortgang der Konjunktur. „Wir begrüßen die nun geplante Einbeziehung der Betriebsärztinnen und Betriebsärzte in das Impfkonzept. Sehr viele Betriebe haben schon Vorbereitungen getroffen. Wichtig ist, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht“, bekräftigte Fieser.

„Um diesen Aufwärtstrend nicht zu gefährden, darf es keine weiteren Belastungen und Regulierungen für Unternehmen, wie zum Beispiel die Homeofficepflicht geben“, so Fieser. Jede Regulierung schade dem Digitalisierungsfortschritt. „Schon heute wird mobiles Arbeiten dort eingesetzt, wo es möglich und sinnvoll ist. Beim Einsatz von Homeoffice müssen aber natürlich stets auch betriebliche Belange eine zentrale Rolle spielen“, sagte Fieser. In der Krise war der Wirtschaft ein Belastungsmoratorium versprochen worden, doch das Gegenteil ist der Fall. „Nach dem Lieferkettengesetz, dem Betriebsrätemodernisierungsgesetz und der jüngst noch ausgeweiteten Testangebotspflicht, soll nun noch ein Gesetz zur Einschränkung von sachgrundlosen Befristungen kommen. Das ist völlig unverständlich“, so Fieser.

Die Zuversicht der Unternehmen spiegelt sich auch in der Investitionsbereitschaft wieder. „Für 2021 planen die Unternehmen 505 Mio. Euro zu investieren“, sagte Oliver Wirth, Geschäftsführender Gesellschafter der Bareiss Prüfgerätebau GmbH und stellvertretender Vorsitzender von Südwestmetall Ulm. Auffallend ist, dass die Auslandsinvestitionen mit 3,5 % einen relativ kleinen Anteil ausmachen. „Dies ist ein klares Bekenntnis zur Region“, so Wirth.

In 2021 erwarten 85 % der Firmen steigende Umsätze. Nur sechs Prozent rechnen mit einem Umsatzrückgang. Dies ist ein positiver Wert, bei dem zwei Dinge berücksichtigt werden müssen. „Zum einen ist ein Aufwärts, ausgehend vom niedrigen Niveau des letzten Jahres, dringend nötig“, sagte Halder. Das Niveau von vor 2019 sei damit aber natürlich noch nicht erreicht. „Zum anderen spüren wir Unternehmen gerade, dass etliche Rohstoffe knapp und teuer werden. Das könnte manchen Umsatz nach hinten schieben“, so Halder weiter.

„Der positive Trend zeigt sich auch bei den Personalplänen“, sagte Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall in Ulm. Es gibt wieder mehr Firmen, die Personal aufbauen wollen, als welche, die abbauen müssen. Im Saldo ist ein Arbeitsplatzaufbau von 129 Stellen zu erwarten. Zur Beschäftigungssicherung wurde im letzten Jahr verstärkt Kurzarbeit eingesetzt. In 2020 waren 64 % der Betriebe in Kurzarbeit. Aktuell sind es noch 22 % und damit jeder 5. Betrieb. „Die krisenbedingten Verbesserungen der Regelungen für das Kurzarbeitergeld waren und sind enorm wichtig“, führte Maier aus.

Aber auch andere Flexibilitätsinstrumente haben die Firmen bereits genutzt: Abbau Zeitguthaben, Auslaufen von Befristungen und Beendigung von Zeitarbeit. Fieser: „Während sich die Anzahl der befristet Beschäftigten um fast vier Prozent reduziert hat, ist die Anzahl der Zeitarbeitnehmer/innen um 11 % gesunken. „Dies zeigt, dass die Firmen unbedingt diese Flexibilitätsreserve benötigen, um auf konjunkturelle Schwankungen reagieren zu können. Die Bundesregierung sollte daher von ihrem Plan ablassen, die Möglichkeit von sachgrundlosen Befristungen einzuschränken“, so Fieser weiter.

Info zur Konjunkturumfrage:
An der Konjunkturumfrage haben sich 84 Betriebe beteiligt. Dies entspricht einem Repräsentationsgrad von 60 % der Betriebe der Bezirksgruppe Ulm und 81 % der Beschäftigten.

Info zu Südwestmetall:
SÜDWESTMETALL ist der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg. Er ist kompetenter Ansprechpartner für Arbeitgeber in arbeits- und sozialrechtlichen, tarifvertraglichen und sozialpolitischen Fragen. SÜDWESTMETALL ist Sprachrohr für seine Mitgliedsbetriebe gegenüber Gewerkschaft, Staat und Öffentlichkeit. Zusammen mit dem Sozialpartner vereinbart SÜDWESTMETALL in Tarifverträgen die Bedingungen der Arbeitsverhältnisse.
Die Bezirksgruppe Ulm von SÜDWESTMETALL und des tarifungebundenen Unternehmensverbands Südwest betreut in der Region Ulm, Biberach, Alb-Donau und dem südöstlichen Teil Sigmaringens 141 Betriebe mit 57.601 Beschäftigten.



 

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